Hammerschmidd 10 -Das Ungeheuer aus der Tiefe

Evelyne Klotzmüller machte einen weiteren Schritt auf Herrn Hammerschmidd zu. „Herr Hammerschmidd, wissen Sie eigentlich, dass Sie ein äußerst attraktiver Mann...“ „Seien Sie ruhig!“ rief Hammerschmidd. „Nein, wirklich, Herr Hammerschmidd. Das ist mir damals gleich aufgefallen, als Sie hier eingezogen sind....“ Frau Klotzmüllers Augen funkelten und ihr spitzer Mund verzog sich zu einem verführerischen Lächeln. Wie dumm nur, dass der Rest von ihr keineswegs verführerisch war. Sie hätte vielleicht besser daran getan, den Bademantel anzulassen. „AUFHÖREN! SOFORT AUFHÖREN!“ schrie Hammerschmidd. Er wich einen Schritt zurück, kniff die Augen zu und hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu. Aaahhh....

Das konnte doch nicht wahr sein! Seine Nachbarin, diese alte, neugierige, aufdringliche, hässliche Qualle stand nackt in seinem Badezimmer und schmachtete ihn unverblümt - um nicht zu sagen vollkommen unangemessen und entwürdigend - an! Lieber Gott im Himmel, tu irgendwas! Hammerschmidd schüttelte den Kopf hin und her und schrie: „Hau´n Sie ab! Hau´n Sie bloß ab!!!“ Gleich. Gleich würde Sie ihn anfassen. Er konnte ihren Atem in Gedanken schon an seinem Hals spüren. Ihre Hand, die nach ihm griff. Krakenarme, die ihn umschlingen und nie wieder loslassen würden. Ihn in die Tiefe reißen. Er schrie. Als wenn er Frau Klotzmüller durch die Schallwellen von sich fern halten konnte. Wie eine unsichtbare Wand.

Hammerschmidd schlug die Augen auf, voller Panik. Er blickte ins Leere. Frau Klotzmüller war nicht mehr da. Die Badewanne war leer. Das Rauschen des Wassers hatte augenblicklich aufgehört. Die Seifenblasen waren verschwunden. Nichts. Es war niemand da. Hammerschmidd schaute voller Panik um sich. Lief in den Flur. Die Haustür war zu, der Schlüssel steckte von innen. Schweißperlen rannen ihm von der Stirn in die Augen. Er ging langsam ins Badezimmer zurück. Er war allein. Kein rosa Bademantel weit und breit. Hammerschmidd schaute angstvoll um sich, suchte nach der Badeschaumflasche, die doch eben noch auf dem Fußboden vor ihm gelegen und dessen lindgrüner, milchiger Inhalt sich seinen Weg durch die Kachelfugen gesucht hatte. Es gab keine. Erschöpft sank Hammerschmidd auf den Fußboden und lehnte sich an den Rand der Badewanne. Wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er atmete schwer und sein Herz raste wie eine Dampfmaschine. Ich bin verrückt, dachte er. Ich bin vollkommen verrückt. Ich muss halluzinieren. Ich bin nicht ganz dicht. Und bei dem Gedanken, dass sein allgegenwärtiger, immer wiederkehrender Traum möglicherweise durch diesen Alptraum hier abgelöst werden könnte, ließ ihn erschaudern. HAMBURG – My Love. Schnell zum Hafen und auf dem erstbesten Schiff anheuern, schoss es Hammerschmidd durch den Kopf. Hamburg, meine Perle...hast auch schon mal besser ausgesehen.


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