Hammerschmidd 6 -Kalter Kaffee

Hammerschmidd zuckte zusammen. Wer konnte das sein? Er schaute auf die Uhr. Für den Postboten war es eindeutig noch zu früh. Und Besuch bekam er selten, denn er hatte nicht viele Freunde. Sein Adressbuch war äußerst kläglich mit Adressen und Telefonnummern versehen, die Hälfte der Buchstaben des Alphabets waren leer und lediglich weißes Papier in einem schwarzen ledernen Einband.

Missmutig stellte er den Kaffeebecher hin und schlurfte zur Tür. Er schielte durch den Türspion. Frau Klotzmüller. Na prima. Die konnte er jetzt absolut nicht gebrauchen. Und dann auch noch um diese Uhrzeit. Aber es hatte keinen Zweck. Sie würde hinter ihrer Tür lauern und ihn wieder einmal genau im richtigen Moment abpassen. Mit der Mülltüte in der Hand. Ganz zufällig natürlich. Hammerschmidd vermutete schon seit längerem, dass Frau Klotzmüller einen präparierten Müllbeutel neben ihrer Wohnungstür bereitstehen hatte. So viel Müll konnte ein einzelner Mensch einfach nicht produzieren.

Er öffnete die Tür einen Spalt. „Herr Hammerschmidd, Morgääään!“ Frau Klotzmüller strahlte ihn aus ihren Knopfaugen an. „´nen Morgen.“ brummte Hammerschmidd. „Was kann ich für Sie tun?“ „Herr Hammerschmidd, also, was ich Ihnen noch sagen wollte, Sie müssen sich aber schon an den Treppenputzplan halten, das wissen Sie...“ Alte Hexe, dachte Hammerschmidd. Langweilt sich zu Tode die Frau und hat nichts besseres zu tun, als den SED-Hauswart zu spielen. „Ja, ja, natürlich...“ „Herr Hammerschmidd, ich weiß ja, dass sie sooooo viel immer zu arbeiten haben, aber Regeln sind Regeln und da muss sich jeder Hausbewohner dran halten. Wir wollen doch den Eindruck eines sauberen, gutbürgerlichen Hauses erhalten, nicht wahr?“ Hammerschmidd driftete für einen Moment ab und starrte auf Frau Klotzmüllers Kittelschürze, die mit Äpfeln, Birnen und Pfirsichen bedruckt war. Ich könnte heute abend nach der Therapiestunde mal wieder beim Türken einkaufen, dachte Hammerschmidd. „Ja ja, Frau Klotzmüller, ich kümmere mich darum.“ „Herr Hammerschmidd, heute ist Donnerstag, eigentlich wären Sie ja schon gestern dran gewesen... Soll ich vielleicht einen Plan erstellen? Den könnten Sie neben ihre Tür hängen, dann wissen Sie immer genau, wann Sie an der Reihe sind.“ So weit kommt´s noch, dachte Hammerschmidd. „Ich mach das wirklich gerne, wenn Sie wollen, Herr Hammerschmidd.“ „Nicht nötig, Frau Klotzmüller, ich gelobe Besserung... entschuldigen Sie bitte, aber ich muss jetzt zur Arbeit...“ „Oh ja, natürlich. Wissen Sie, als mein Mann noch gelebt hat...“ Bitte nicht, dachte Hammerschmidd. „Frau Klotzmüller, wirklich....ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag...“ Er nickte ihr freundlich zu und schob langsam aber bestimmt die Tür zu. „Oh, das wünsche ich Ihnen auch, Herr Hammerschmidd.“ Aber Hammerschmidd hatte es schon nicht mehr gehört. Er lehnte seufzend für einen Moment an der Wohnungstür und ging zurück in die Küche.

Der Kaffee war in der Zwischenzeit kalt geworden. Das verhieß keinen guten Start in den Tag.




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